Bericht Ausstellungsbesuch: Monet in Frankfurt

27. Okt 2015

Die österliche Ruhe hatte auch bei uns hier – spürbar – Einzug gehalten, aber wir waren dennoch aktiv. Ich hatte zum Beispiel dadurch die Möglichkeit nach Frankfurt zu fahren und die neue, auch von uns schon angekündigte Impressionismus-Ausstellung zu besuchen. Hier ein kleiner Bericht.

Städel Museum

Ein mehr als hilfreicher Tipp gleich vorweg: unbedingt ein Ticket online besorgen, man vermeidet die Warteschlange auf der Straße – siehe Bild. Und die ist hier eher kurz, der Tag nach Ostern war nicht der am stärksten nachgefragte Besuchstag. Aber dennoch, auch an diesem Tag waren die Ausstellungsräume wieder gut besucht, so dass vor manchem Bild, vor allem denjenigen, die schon vorher durch die Medien hoch gelobt wurden, eine kurze Wartezeit entstand. Was man dann aber dort zu sehen bekam, war wirklich sehr gut, sehr eindrücklich.
Was mir zu allererst auffiel: das Licht „in“ den Bildern! Dieses Thema Licht war bei Monet und seinen Kollegen sehr wichtig: Es geht um Schlagschatten und die verschiedenen Abstufungen von Licht und was das für die verwendeten Farben bedeutete, bis hin zum Nebel und was dieser mit den dargestellten Landschaften macht. Gerade der Nebel war ja in den letzten Lebensjahren des Claude Monet ganz wichtig, er malte ganze Serien eines Sujets bei unterschiedlichen Licht- und Nebelverhältnissen. Ein ganzer Raum ist dem gewidmet, und in dem man dann erkennt, was man da vorher Stück für Stück gezeigt bekommen hat. Aber das ist schon das Ende der Ausstellung …

Also, zunächst natürlich ein Prolog in Gestalt von frühen Bildern der späteren Impressionisten, und ihrer Lehrmeister, die sich eine neue Technik erarbeiteten, der eine deutlicher vielleicht als der andere, der eine erfolgreicher und durchdringender als der andere. Auch das gut zu sehen. Aber alle schufen nicht nur eine neue Maltechnik, auch die Inhalte waren andere, wurden wirklichkeitsnäher als die vorherigen: Landschaft wurde realer dargestellt, weniger ideal als noch vordem. Dazu kamen dann die Menschen, die sich nun auch „bewegten“, weil die neue Maltechnik dies auf neue Weise ermöglichte. An Bildinhalten kamen nun die „modernen Zeiten“ hinzu – Industrialisierung, Freizeitaktivitäten um 1900, so wie sie wirklich zu sehen waren. Das kann man vor den Bildern stehend nun wirklich nachvollziehen. Hinweise an den Bildern zu diesen Themen waren hilfreich für das Verständnis, und in meinem Fall kam mir dann gleich eine neue Idee für unser Projekt zum Lichtjahr 2015.

Die Höhepunkte der Ausstellung folgen in dichter Reihe, ein Farbenrausch hier, ein Einblick ins Leben der Zeit dort. Der Wind an der Küste ist förmlich zu „spüren, der Rauch der Dampflok ist nicht zu riechen, natürlich nicht, aber man sieht ihn förmlich hervorquellen, der neuen Maltechnik sei Dank. Paris lebt förmlich auf, wenn man die Menschen über die Straßen flanieren sieht und genießt die Ruhe, den der Sommerwind, die Wärme im Gemälde Sommer, von 1874 von Monet, ausstrahlt. Ein echtes Gemälde ist dann doch eben eindrücklicher als jede Abbildung im Internet.

Dass die neue Kunstform nicht ohne Kritik blieb, kann man hier und da den begleitend angebrachten Texten neben den Bildern entnehmen, zudem gibt es aber auch einen extra Raum mit Kritik und Karikatur in Form von Dokumenten aus der Zeit. Vor allem die Karikatur der Zeit hat dies aufgenommen und ist noch heute in der Lage, den einen oder anderen mehr oder weniger lauten Lacher bei den Besuchern hervorzurufen.

Ein weiterer Raum ohne Gemälde ist einer in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts aufkommenden neuen Kunstform gewidmet, der Fotografie. Gedacht ist die Ausstellung von Fotos aber auch dem Versuch geschuldet zu zeigen, wie wirklichkeitsnah die Maler um Monet tatsächlich malten.

Eine runde Ausstellung also, nicht nur Gemälde, auch das Umfeld wurde gut und – zunächst – ausreichend informierend dargestellt. Natürlich kann man sich vor Ort ja auch einen Audioguide ausleihen oder eine Führung buchen. Mein abschließender Tipp: das Digitorial und die Webseiten als Vorbereitung fand ich gut, nicht allein deswegen, weil man dann dem einen oder anderen „Gedränge“ vor den kleinen Texten neben den Bildern entgehen kann –man weiß ja schon, was man da „hinter“ dem Bild sehen kann . Und wenn man denn die kleine vorbereitende Lektion per Digitorial resp. Webseite des Städel Museums gelesen hatte, konnte man sehr gut nachvollziehen, was diese Kunst so einmalig und so sehenswert macht. Einige wenige Bilder waren auch mit einem QR-Code versehen, so dass man sich mit Hilfe des eigenen Smartphones parallel zum Ausstellungsbesuch zusätzliche Informationen (z.B. zu Fragen der Restaurierung, zu künstlerischen Fragen usw.) holen konnte. Natürlich kann man sich dies auch zu Hause auf den Webseiten ansehen oder im Katalog nachlesen. Wer den Umgang mit einem Digitorial nicht gewohnt ist, kann sich hier, bei uns, Unterstützung holen: Selbstlernkurs. Wem dies nicht so gut gefällt, der/die hat dann ja vielleicht auch den Katalog mitgenommen, der die restlichen Informationen liefert.

Beitrag als PDF

Ellen Salverius-Krökel

 

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