Buchmesse Leipzig 2018

20. Mrz 2018

Für Daheimgebliebene zum Hören und Lesen

Wer Zeit und Gelegenheit hat zur Buchmesse nach Leipzig zu kommen, dem wird viel geboten, vor allem wird viel vorgelesen auf diesem wundervollen Lesefest mit angeschlossener Buchmesse. Auch auf der Messe, …

… in den Ausstellungshallen selbst. Aber dann vor allem an den Abenden an den unterschiedlichen Veranstaltungsorten. Das ist für LeserInnen ein unbeschreiblicher Genuß. Und was machen wir Daheimgebliebenen?

Man macht sich trotzdem ein Bild von der Flut an Neuerscheinungen des Frühjahrs, dem Gastland Rumänien, über die Literatur im Allgemeinen und im Besonderen, den Debatten ringsherum, der Immer-wieder-Krise des Buchhandels, der hat auch die Qual der Wahl bei der Suche nach und dann der Auswahl an Informationen. Die großen Tageszeitungen haben ihre Sonderbeilagen, die Rundfunksender ihre zahlreichen Sendungen. Und sonst? Wenig eigentlich, aber das ist schon mehr, als man verarbeiten kann. Hier also meine persönliche Auswahl.

Am meisten bietet das Radio

Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur bieten in jedem Jahr zu den Buchmessen viel Informationen, Interviews, Kritiken usw, z.B. hier

Am Donnerstag etwa wurden als Gäste mit ihren neuen Büchern vorgestellt. Jakob Hein: „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“ – Eine verrückte Dschihad-Groteske, die rumänische Autorin Dana Grigorcea mit ihrem sehr, sehr guten Buch: „Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen“ – Vom Alltäglichen zum Unfassbaren, den Nachfolgeroman der Angelika Klüssendorf: „Jahre später“ – In den Fängen eines Wohlstandsverwahrlosten und schließlich das Sachbuch, in diesem Frühjahr nahezu mein Lieblingssachbuch, von Bernd Roeck: „Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance“ – Zwischen Geist und Gewalt.

Oder dann Freitag Vormittag das Interview mit Monika Maron, in dem es u.a. um ihren neuen Roman „Munin oder Chaos im Kopf“ geht und wie man es „lesen“ kann oder soll; aber auch um die Diskussionsveranstaltung mit Uwe Tellkamp und Durs Grünbein, in der Tellkamp rechtspopulistische Äußerungen von sich gab und danach dafür an den Pranger gestellt wurde. So eine Diskussion, solch eine Meinung müsse möglich sein, so die Autorin. Man mag dazu stehen wie man will, interessant zu verfolgen ist diese Nachfolgediskussion allemal.

 

Man kann natürlich auch nachlesen/nachhören zu den Preisträgern des Leipziger Buchpreises. Für die Roman-LeserInnen sicherlich wichtig, dass Esther Kinsky den Preis der Leipziger Buchmesse, Belletristik, für ihren Roman „Hain“ bekommen hat. Auch die ZEIT hatte bereits eine Rezension zu „Hain“ gebracht.

Beim Deutschlandfunk kann man auch nachhören und nachlesen wie es um die Proteste auf der Buchmesse in Sachen „Verlage gegen Rechts“ steht. Auch da geht es um Meinungsfreiheit, wie schon in der Causa Tellkamp, zu der der DLF titelt: „Ein an Weimar erinnernder Kulturkampf“. Immerhin redet man. Und kommentiert. Kurz und gut kann man auch im perlentaucher.de dazu lesen, also eine Zusammenfassung der Medien; die Webseite ist aber sowieso immer wieder gut rund um Kultur und natürlich Literatur. Manchmal braucht man es einfach nicht ausführlicher – EFEU – Kulturrundschau

Interessant im Radio war auch das Thema „Lesen im Rudel – warum sind Literaturkreise en vogue?“ Erstaunlich, ich hatte meinen dörflichen Kreis schon vor 10 Jahren aufgegeben, nach fast 10 Jahren emsigen Lesens.  Dass das immer noch en vogue ist …  Zum Lesen gehört aber auch das Reden über das Nicht-Lesen-Können, denn immerhin 7,5 Millionen Menschen in Deutschland sind funktionale Analphabeten. Hören Sie doch dazu mal die 5 Minuten Hintergrundwissen der „Stiftung Lesen“.

Insgesamt eine gute Fundgrube: Deutschlandfunk   Einfach mal durchblättern.

 

Gastland Rumänien

Auch hierzu kann man ganz wunderbar wieder beim Deutschlandfunk anfangen und erstmal zuhören . Oder beim Deutschlandfunk Kultur zum Schriftsteller und Lyriker Ernest Wichner, der vor allem auch Literatur aus dem Rumänischen übersetzt. Hier also ein Gespräch mit ihm u.a. über die Kraft der rumänischen Dichtung. Auf dieser Seite finden Sie auch weitere Links zum Thema.

Fast eine Stunde lang hat das Büchermagazin „Diwan“ von Bayern 2 über die Literaturlandschaft Rumänien berichtet und ist noch nachzuhören bzw. auch als Download vorhanden.

Eine gute Hinführung zur neueren rumänischen Literatur gab es schon Ende Februar in der ZEIT: Rumänien – Engel und Emigranten

Habe ich mit Gewinn gelesen, auch wenn natürlich ein paar Titel bzw. Autoren fehlen. Aber die kann man dann ja woanders finden.

Kinder- und Jugendbücher gehören, selbstredend, natürlich auch zur Buchmesse. Und normalerweise sorgt die Nominierung als Gastland für einen reichen Auftritt von Kinder- und Jugendbuchautoren in Leipzig. In diesem Jahr ist das anders. Gastland Rumänien bringt ein fulminantes Programm mit zur Buchmesse, doch fast keine Kinder- und Jugendliteratur. Woran liegt das? Hören Sie doch mal.

Natürlich sollte man die Web-Seiten der Leipziger Buchmesse nicht übergehen, die auch über den Schwerpunkt Rumänien informieren (wollen). Oder sollte man sagen: es versuchen? Denn leider gibt es nur das Programm der Veranstaltungen auf der Messe selbst, leider sonst nichts für Daheimgebliebene. Und es gibt eine Seite mit rumänischen Autoren und kurzen Biografien. Mit manchem Autor/mancher Autorin kann man nach dieser Information nichts anfangen, es gibt keine deutschen Übersetzungen. Das liegt aber natürlich nicht an der Leipziger Buchmesse.

Wirklich gute Überblicke findet man hier:

Perlentaucher: Aktuelle Bücher zum Thema „Rumänische Literatur“ mit Pressereaktionen

Die Schweizerische Neue Zürcher Zeitung

Der deutsch-rumänische Literaturblog des Goethe-Instituts

Die ARD aus Wien für Osteuropa

Das ZDF mit einem 5minütigen Film: Reise zu rumänischen Schriftstellern

Ein bißchen anders beim rbb: Rumänische Literatur zwischen Zensur und Konsum

Und auch mein Heimat-Sender, der SWR, hat eine wunderbare Sammlung vorgelegt

Oder der eher weniger gelesenen Wochenzeitung „der Freitag“: Buchmesse Spezial oder einfach Rezensionen

 

Buchkrise?

Ach ja, und dann gibt es mal wieder die Frage nach der Buchkrise, oder der des Buchhandels, sind doch in den letzten Jahren wohl mehr als 6 Millionen Buchkäufer dem Buchhandel verloren gegangen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat es bisher immer eher abgestritten, nun endlich hat auch er dies in Leipzig eingestanden. Die Rede dazu kann man nachlesen: Leipziger Buchmesse: Rede zur Eröffnung. https://www.boersenverein.de/de/portal/Rede_zur_Eroeffnung/1440085 Analysen zu den Gründen fehlen hier wie dort. Aber man kann sich ja dennoch mal hören oder lesen, was aktuell dazu gesagt wird, etwa beim NDR (und zum Nachhören hier) oder beim WDR. Die FAZ hatte zu dem Thema schon vor der letztjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Verleger Philipp Keel vom Diogenes Verlag gesprochen und sehr ehrliche Antworten bekommen.

Oder könnte dies Abhilfe schaffen?  Über den Boom der Autorenlesung

Und jetzt fehlt eigentlich nur noch Zeit und Muße, vor allem wohl Letztere, denn die scheint, so eine Stimme aus Leipzig vom heutigen Tag, wohl im Zeitalter von digitalen Medien, eher knapp bemessen zu sein. Ein Buch zu nehmen, sich darauf einzulassen „nur“ zu lesen, ohne Bilder, ohne Ablenkung, zeitraubend sowieso, das ist einfach anstrengend. Aber es soll Menschen geben, die davon nicht lassen können. Also dann!

Ellen Salverius-Krökel

 

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