Das (Verlorene) Paradies im Kunsthaus Stade

5. Jul 2016

Expressionistische Visionen zwischen Tradition und Moderne

noch bis zum 17. Mai 2015

(mb) Zwar läuft die Ausstellung schon eine geraume Zeit, dennoch schreibe ich hier noch einige Informationen zu den Hauptseiten, die seit Beginn der Ausstellung schon bei uns zu betrachten sind.

Nach der Ausstellung „Das (Verlorene) Paradies“ in Bonn von September 2014 bis zum Januar 2015 ist ein großer Teil der dort gezeigten Bilder nun auch im Kunsthaus Stade zu sehen. Diese Ausstellung gibt mit ihrem Untertitel „Expressionistische Visionen zwischen Tradition und Moderne“ gleich erste Hinweise, was den Besucher in Stade erwartet. Hier sind es nicht in der Hauptsache August Macke und Franz Marc, deren Paradiesvisionen wie in Bonn betrachtet werden, sondern die meisten Künstler dieser Avantgarde der Moderne am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Wenn man die drei Ausstellungen innerhalb kurzer Zeit in München, Bonn und Stade von der geografischen Seite her betrachtet, so ist erfreut festzustellen, dass die Kunstfreunde zurzeit die Möglichkeit haben, allein einige Werke von August Macke und Franz Marc vom Süden bis zum Norden Deutschlands betrachten zu können. Da fällt die Wahl bisweilen schon schwer.

Als Münsteranerin habe ich das Glück, das von den beiden Freunden August Macke und Franc Mark gemeinsam in Bonn gemalte Paradiesbild im LWL Museum für Kunst und Kultur vor Ort betrachten zu können – wenn es denn mal „zu Hause“ ist. Sollte ich in nächster Zeit das Glück haben, in Münster dieses Bild fotografieren zu können, so werde ich es nachträglich hier auch zur Verfügung stellen.

Ausgangspunkt aller Betrachtungen der beiden Kuratorinnen, die verantwortlich für die Durchführung dieser Ausstellung in Stade zeichneten, war genau dieses Paradiesbild, das allein schon durch seine Größe von fast 4 x 2 Meter beachtenswert ist. Jedoch auch die Künstler Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Carlo Mense, Wilhelm Morgner, Max Pechstein, Georg Schrimpf, Karl-Schmidt-Rotluff, Richard Seewald, Paul Klee haben sich in Bildern, Zeichnungen, Stickereien und Aquarellen mit den himmlischen und den irdischen Paradiesvisionen auseinandergesetzt, wozu auch die apokalyptische Betrachtungen gerechnet werden müssen.

Die Sehnsüchte und Visionen von einer besseren Welt wurden durch den Ersten Weltkrieg völlig zerstört, brachte einigen wie August Macke und Franz Marc den Tod an der Front. Die Verarbeitung dieser schrecklichen Ereignisse ist daher nur allzu verständlich, was in vielen Bildern zum Ausdruck kommt.

Zu dieser Zeit lebte auch die Dichterin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945), die von 1912 bis zu seinem Tode 1916 mit Franz Marc freundschaftlich verbunden waren, durch die sie sich gegenseitig künstlerisch inspirierten.

Die Literaturwissenschaftlerin Ricarda Dick schreibt in ihrem Buch „Else Lasker-Schüler – Franz Marc“ beeindruckend über die Künstlerfreundschaft und welchen Einfluss Franz Marc auf Else Lasker-Schülers zeichnerisches Schaffen ausübte. Die Sammlung der künstlerischen und freundschaftlichen Briefe Bilder zeugen von tiefer Freundschaft. Nach dem plötzlichen Kriegstod von Franz Marc setzt Else Lasker-Schüler dieses Bild- und Briefkorrespondenz fort, allerdings mit veränderter Anrede. Sie ersetzte die bisherige Ich-Form in die Form der Erzählerin, die zuvor Unvollständiges ergänzt.

Während der Ausstellung stehen einige Bilder in vergrößerter Ansicht auf unserer Seite zur Verfügung.

Margret Budde

« zurück

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*