Die Reformation feiern? – Reformationsfest 2016

27. Okt 2016

Turm(esk) Ja, was feiern wir da eigentlich schon seit fast 500 Jahren und geht das überhaupt? Oder gibt es gar keinen Grund zum Jubeln? Beide großen Kirchen „streiten“ da schon seit geraumer Zeit in Anbetracht des großen Jubiläums 2017, die einen mehr die anderen weniger. Aber worum geht es eigentlich?

Früher hat man durchaus diesen Tag gefeiert – es gab Gottesdienste, weil es ein Feiertag war, später gab es wenigstens schulfrei – und einen Gottesdienst, dann während der Schulstunden einen Gottesdienst und danach Unterricht, irgendwann dann all das auch nicht mehr. Gottesdienste gibt es heute hier und da, häufig wird am Sonntag vor oder nach dem 31. Okt. der Reformationstag begangen, auf die eine oder andere Weise. Doch nun, mit dem Näherrücken des Jubiläumsjahres, gibt es vor allem mehr Gottesdienste, im nächsten Jahr ist der 31. Okt. sogar Feiertag, aber nur im nächsten Jahr. Was also feiern wir, wenn wir denn feiern? Und kann man das feiern nennen?

In diesem Jahr sind mir die Nachrichten aus den beiden Kirchen dazwischengekommen ein Thema zu wählen, was eher nicht „politisch“ ist. Vielleicht geht das sowieso nicht, aber wenigstens sollte es nicht so sein: jemanden, also Luther, und etwas, also die Reformation, zu feiern, der bzw. die (z.B.) Konfessionskriege ausgelöst habe, das sei schlichtweg unmöglich. Jedenfalls sagt das die Katholische Kirche, oder zumindest viele in der katholischen Kirche. Aber das, finde ich, ist denn doch zu kurz gesprungen.

Fragt man nach, also schaut man mal auf die verschiedenen öffentlichen Stellungnahmen dazu, dann kommt einem, als Protestant, vielleicht als erstes die „Meinung“ der katholischen Kirche dieser Tage auf den Bildschirm: kurz gesagt, da gibt es nichts zu feiern, wie der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen in einem Interview mit der FAZ meinte, wenn auch nicht nur. Aber es mag interessant und hilfreich sein, wenn denn solche Äußerungen nicht nur auf Verständnis stoßen, sich tiefergehend mit dem Thema zu beschäftigen, ohne gleich wissenschaftlich zu werden. Lesenswert ist immer noch ein Beitrag von 2014 in Christ in der Gegenwart aus einer katholischen Feder. Eine Auseinandersetzung mit beiden Seiten der „Reformationsmedaille“: 500 Jahre Reformation – der Versuch einer Rechtfertigung.

Das große Reformationsjubiläum im nächsten Jahr wird also nicht überall und von allen gefeiert, manchmal nur begangen oder bedacht. Das ist sicherlich verständlich, wenn auch nach 500 Jahren Reformation mancher Satz dazu zu mindestens mal irritiert. Wenig überrascht also, dass die katholische Kirche da noch Probleme hat und sich schon am Wort „feiern“ stößt, wiewohl eigentlich auch die röm.-kath. Kirche feiern könnte, wenn man an die von Luther ausgelösten Reformen auch in dieser denkt. Wer mehr z.B. darüber erfahren möchte wie die katholische Kirche auch dazu denkt, der mag auf katholisch.de einmal „blättern“ , es findet sich manche versöhnliche Stimme, diese etwa – Ein Jubeljahr für alle Christen 

Schaut man in eine aktuelle Publikation der evangelischen Seite, dann könnte man diesen Artikel empfehlen: Wie am 4. oder 14. Juli. Ein ökumenisches Reformationsfest ist möglich Gemeint sind die Amerikaner und Franzosen mit ihren Revolutionen: sie „bejubeln aber nicht einfach Ereignisse der Vergangenheit, sondern vor allem die Wirkungsgeschichte ihrer Revolutionen. Sie feiern, dass sie in einer Demokratie leben (dürfen), auch wenn diese Mängel aufweist. Ähnlich sollten es die Kirchen mit dem 31. Oktober halten. Protestantische Theologen setzen sich immer wieder mit den fremden und dunklen Seiten Martin Luthers auseinander und mit Fehlentwicklungen in ihren Kirchen. Aber beim Reformationsjubiläum dürfen ruhig die positiven Seiten hervorgehoben werden.“

Wir feiern wieder das Reformationsfest, in diesem Jahr zum 499. Mal, im nächsten Jahr dann das große Jubiläum. Wir „feiern“ also jedes Jahr die Spaltung der Kirche in die protestantische/reformierte und die katholische. Nochmal – kann man das feiern? Gut, man kann das auch begehen, aber wirklich ein schlechtes Gefühl haben „wir“ Protestanten, Lutheraner, Reformierte dabei nicht, wir Protestanten freuen uns über die Wirkung der Reformation. Man sollte sich den letzten Satz des letztgenannten Artikels vergegenwärtigen: Am 31. Oktober 2017 sollte man die Vielfalt feiern, die die Reformation der einen Heiligen Katholischen Kirche beschert hat, die sich ja nicht auf die römisch-katholische Kirche beschränkt. So können von dem Fest Impulse für die versöhnte Vielfalt der christlichen Konfessionen ausgehen. Wer kann etwas dagegen haben?

Und sonst?

Etwas Versöhnliches für alle, die unter dieser Diskussion leiden und lieber etwas erfreulicheres zum Thema Kirche, in diesem Fall die evangelische, lesen möchten: Am 19. Okt. ist die neue, revidierte Luther-Bibel erschienen. Es gibt viele verschiedene Ausgaben, etwas irritierend, interessieren sollte natürlich der Inhalt. Was hat sich verändert und ist das alles gut so? Lesen Sie doch mal hier: Die Bibel neu gelesen: Der Hirsch lechzt nicht mehr   oder hier Otterngezücht statt Schlangenbrut

Mit etwas mehr verfügbarer Zeit können Sie sich auch ca. 45 Minuten eine Diskussion anhören: Dem Volk aufs Maul geschaut  Oder 15 Minuten lang, ebenfalls beim SWR zu hören: Zurück zu den Wurzeln – die neue Lutherbibel ist da 

Beide Audios auch im mp3-Format zum Herunterladen.

Ellen Salverius-Krökel

 

Den gesamten Text können Sie auch als PDF lesen/herunterladen

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