Grenzverluste, Heimatverluste

27. Okt 2015

(esk) Es war zu registrieren, dass unser Beitrag vom 2. März Hören! Migration – auf dem Weg in eine neue Heimat? durchaus ein größeres Interesse hervorgerufen hat. Da passt es vielleicht ganz gut, dass der Bayrische Rundfunk auch in dieser Woche einen Beitrag zum Thema sendet. Es geht um Grenzverluste und Heimatverluste. Die einen verlieren Herkunft, Identität und Zugehörigkeit, weil sie auf der Flucht sind. Die anderen, …

… hier die Europäer, fühlen sich von Heimatbedrohung und Heimatverlust durch ganz andere Grenzverluste bedroht, nämlich durch die Forderung ständiger Mobilität, verlorener Sicherheiten und erschütterter Identitäten. Am Ende fehlt auch hier die Heimat. Der Autor der Sendung versucht beide Gruppen gegenüber zu stellen. Er erkennt die Welt als ihr eigenes Exil, die Fragilität der neuen Weltordnung,bestimmt durch Heimatverlust, Umzug, Wanderung und Flucht.

Soviel aber läßt sich jetzt schon sagen: Beide haben ihren Geborgenheitsraum verloren, und beide, auf je unterschiedliche Weise, sind auf der Suche nach Identität in Zeiten permanenter Migration und Mobilität.

Zu hören am Dienstag, 17.3.2015, 20.03 bis 21 Uhr, auf br2 oder später nachzuhören auf der Internetseite des br2. Vorabinfo gibt es hier.

 

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2 Kommentare zu “Grenzverluste, Heimatverluste”

  1. Ja, das finde ich auch, vor allem in dem Zusammenhang, dass nun Heimat, vielen nur als ein leicht angestaubter, sentimentaler und Geborgenheit suggerierender Begriff bekannt, auch mit den heutigen Flüchtlingsströmen, der Entwurzelung durch Krieg, politischer oder religiöser Bedrängnis und/oder wirtschaftlicher Not in Verbindung gebracht wird. Ein „altes“ Thema wird modern. Und gut finde ich auch die neue Perspektive auf die Menschen in unserem Land, die auch „ihre“ Heimat verlieren, hier aber durch die sich verändernden Lebensumstände. Heimat ist „modern“ geworden?
    Ich selbst kenne das Thema persönlich nur aus den Erzählungen meiner Mutter und meiner Großeltern, Kriegsflüchtlinge mit großem Mangel an Zugehörigkeitsgefühl vor allen Dingen. Ich selbst habe daraus ein Interesse, ja geradezu ein Gefühl des Hingezogenseins an und nach Osteuropa entwickelt.

  2. Eleonore Zorn sagt:

    Ich freue mich, dass „Heimat“, „Fremdsein“, „Neuanfang“, nun wieder in den Medien mehr Beachtung finden. Mich haben sie schon immer beschäftigt, da meine Vorfahren aus der Pfalz und dem Schwarzwald vor fast 200 Jahren in die Pannonische Tiefebene (nahe der ungarischen Grenze) ausgewandert sind. Sie hofften, sich dort finanziell zu verbessern, denn hier bekam z.B. nur der älteste Sohn den Hof und musste die anderen Geschwister auszahlen.
    Der II. Weltkrieg brachte es mit sich, dass die „Donauschwaben“ vertrieben wurden und so wieder in die alte Heimat zurückkamen, wie z.B. ich. Im Spaß sage ich manchmal, dass meine Vorfahren vermutlich eine Rückfahrkarte gelöst hatten. Ein Neuanfang war in der Heimat auf dem Balkan nötig, ein Neuanfang auch wieder in Deutschland, denn wir kannten es ja nicht, dieses frühere Heimatland. Für uns Kinder von 5 und 6 Jahren war das sehr verwirrend, wenn auch oft spannend.
    Integration in die neue Gesellschaft war notwendig und selbstverständlich. Wenn auch manche lieb gewordene und von den Vorfahren sozusagen „geprüfte“ Bräuche und Gewohnheiten beibehalten wurden. Besonders Koch- Rezepte.

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