Gut zu hören: in Sachen Mütter – und mehr

27. Okt 2015

Hörspiele für Mütter – und andere Interessierte!

Man kann und mag zum bevorstehenden Muttertag sagen was man will, Gutes wie Schlechtes, allein, man kann sich ja zum Glück selbst aussuchen, was man mit dem Tag anstellt. Ich habe einen Vorschlag, der nicht nur gut an Muttertag zu haben ist, auch wenn am morgigen Sonntag eben das Thema „Mütter“ ansteht. Ich rede hier, mal wieder, von Hörspielen. Und die sind, ob Muttertag oder nicht, eigentlich immer gut zu hören. Für morgen habe ich drei im „Angebot“, …

….bei denen es nicht immer so ganz direkt um Mütter geht, aber indirekt letztlich doch irgendwie, was dann vielleicht auch das Hören für Nicht-Mütter erleichtert.

Beginnen möchte ich mit „Chronik der Nähe“ von Annette Pehnt, das ist jene Autorin, die uns vor einigen Jahren mit diesem wunderbaren Erzählungsband Sommerhaus, später doch sehr erfreut hat. Darum geht es: Großmutter, Mutter und Tochter, die Geschichte einer Familie zwischen Liebe und Hass. Wortgewaltige Lästermäuler, nicht auf den Mund gefallen, Plaudertaschen. Schwierig wird es nur, wenn das Schweigen ausbricht.

Das war so zwischen der Großmutter und der Mutter. Und auch bei Mutter und Tochter ist es so. Sie schweigen, bis eine klein beigibt, bis eine die Stärkere ist und ihren Willen bekommt. Aber wie wollen sie so eine Antwort auf die Frage finden: Liebst du mich auch? Auf einer gemeinsamen Reise lässt sich das vielleicht besser herausfinden. Bevor die Mutter stirbt.

Deutschlandradio Kultur, 18.30 – 19.50

Bearbeitung und Regie: Beatrix Ackers
Mit: Meike Droste, Jutta Wachowiak, Cristin König
Ton: Andreas Narr
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2013
Länge: 77’53

Auf der Webseite gibt es neben weiteren Informationen zur Autorin auch den etwas klein geratenen Button „Live Stream“

Etwa zur gleichen Zeit am frühen Abend: Mutter und Sohn, ein Hörspiel von Jan Georg Schütte. Eine nicht seltene Konstellation …: Immer wieder reiben sie sich aneinander: Monika und Michael, Mutter und Sohn. Immer wieder schwelen Konflikte, beständig verwehren sie einander die Zustimmung zu dem Leben, das sie jeweils führen.

Er, Ende 40, ist erfolgreicher Werbemusiker mit allen dazugehörigen Accessoires: voller Terminkalender, dickes Konto, Luxus-Apartment in Hamburger Toplage, junge, attraktive Ehefrau und zweijähriger Sohn.

Sie, Anfang 70, seinerzeit Kulturjournalistin bei linken Postillen und mit angestammter Verachtung für alles Materielle ist eine jener kampfgestählten Idealistinnen, die nachgerade verpestet sind vom Gutmenschentum. Zwei wie Wasser und Feuer. Doch nun bleibt ihm keine andere Wahl. Zutiefst erschüttert ringt er sich dazu durch, den Dialog mit seiner Mutter zu initiieren.

Das Hörspiel gibt es nach der Sendung 7 Tage zum Nachhören!

SWR2, 18.20 – 19.11

Von: Jan Georg Schütte

Mit: Hildegard Schmahl und Jan Georg Schütte
Regie: Jan Georg Schütte
Produktion: NDR/SWR 2014

Infos gibt es hier, den Live Stream startet man von der Startseite des SWR2 per wunderbarem Button: Webradio an!

Das dritte Hörspiel ist, wie schon angedeutet, nicht so ganz passend zum Thema Muttertag, wenn überhaupt. Es ist aber auch für Mütter und für Väter, vor allem vielleicht für die älter werdenden, zu einem poetisch-ironischen Blick bereiten Hörerinnen und Hörer, denen der demographische Wandel gerne auch mal unernst daher kommen kann. Also, Tantes Inferno: Die hochbetagte und gutsituierte Tante Lucie aus Berlin-Wilmersdorf hat eine neue Herrenbekanntschaft gemacht und sich kurzerhand mit ihrem Verehrer Leo zum Wandern in Köpenick verabredet. Bei Horst, ihrem Neffen, klingeln da gleich die Alarmglocken: ein Erbschleicher, einer, der es auf Wilmersdorfer Witwen abgesehen hat! Doch als Lucie tags darauf zum Rendezvous erscheint, ist es nicht Leo allein, der auf die 88-Jährige wartet. Die hochbetagte Wandergruppe entpuppt sich als Methusalem-Manöver. Tante Lucie verabredet sich mit ihrer neuen Bekanntschaft Leo – und da steht plötzlich eine ganze Wandertruppe am Treffpunkt: allesamt rüstige alte Herrschaften, 80 aufwärts. Lucie hatte sich einen romantischen Ausflug zwar anders vorgestellt – doch Leo besteht darauf und lässt nichts auf seine Gruppe kommen. Das sei nun mal so. „Wanderer zwischen den Welten“ seien sie, lässt Leo andeutungsreich durchblicken. Und sind das nicht Verse aus Dantes „Göttlicher Komödie“, die Lucie dort durch den Blätterwald plötzlich rauschen hört? Wo ist sie hier nur hinein geraten?

Otto, mit seinen 99 Jahren der Anführer dieses Trupps, hat indessen ganz andere Sorgen: Passt Lucie wirklich zu ihnen? Nun ja, zur Aufbesserung der Wanderkasse bestimmt, aber darüber hinaus, für die große Idee? Als Vorkämpfer in eigener Sache steuert Otto nämlich mit seinen Gefolgsleuten auf ein großes Ziel zu: „Je länger wir leben und nicht weichen, desto mehr bringen wir diese Gesellschaft aus der Balance.“ Und kurzerhand wird aus einem vermeintlichen Wald-Rendezvous eine Art Methusalem-Manöver.

MDR Figaro, 18.00 – 19.00

Von: Jens Sparschuh (der Autor wird am 14. Mai 60 Jahre alt)

Regie: Walter Adler

Produktion: MDR 2008

Die dazugehörige Web-Seite mit dem Button für den Live-Stream

 

Wer doch lieber das Sachlichere mag, kann am morgigen Sonntag zum Thema Mütter auch Interessantes hören. Ein kurzer Überblick:

Passend zum Jahrestag des Kriegsendes gibt es auf NDR Info: Männer im Mutterland. Nachkriegskinder auf der Couch. Über den vaterlosen Start ins Leben der zwischen 1933 und 1945 geborenen Männer. NDR Info, 11.05 – 12.00

Das rbb Kulturradio sendet zwischen 09.04 und 09.30 Uhr: Die Mamme hat das letzte Wort. Jüdische Mütter. Als Anna Adam in den 80er Jahren im Wald campierte, um gegen den Bau einer Flughafenstartbahn zu demonstrieren, brachte ihre Mutter ihr täglich frisch gekochtes Essen vorbei. Als die Tochter später einen bunten Irokesenschnitt trug, wusch Mama Adam ihre zerlöcherten Jeans. „Wenn schon Punk, dann aber sauber“, erklärte sie den Nachbarn. Heute setzt sich die jüdische Künstlerin Anna Adam kreativ mit Klischees über Juden und das Judentum auseinander. Die jüdische Mamme ist dabei ein beliebtes Objekt. Sie sei dominant, nörgelnd, übertrieben fürsorglich, bissiger als so mancher Pitbull und setze ihre Kinder ihr Leben lang unter Druck, heißt es. Was ist dran an dem Stereotyp und welchen Einfluss hat die aktuelle Weltlage auf jüdische Mütter? Wie reagieren sie angesichts gestiegener antisemitischer Übergriffe, Terror- und in Israel sogar Kriegsgefahr?  Von Petra Aldenrath.

Die dazugehörige Webseite, zum Hören bitte in der schwarzen Leiste auf Live Player klicken.

 

Und richtig ernst wird es, wenn auch nur für 30 Minuten, in Mam, Mama, Mom. Mutationen eines Rollenbildes, von Thomas Kernert. Eine Sendung auf Bayern 2, 13.30 – 14.00.

Eine der zeitlosen Wahrheiten, die Heinrich Lübke unnachahmlich treffend auf den Punkt brachte, lautet: „Jeder von uns hat eine Mutter!“ Und weil dem so ist, zieht uns das Ewig-Weibliche“ hinan“, wie es in Goethes „Faust“ heißt. Faust wiederum muss auch „zu den Müttern“ hinabsteigen. Thomas Kernert widmet sich dem Auf und Ab in der Wertschätzung der Mutterschaft auf seine Weise. Was genau eine Frau ist, weiß nur der liebe Gott. Deshalb ist es auch nicht ganz einfach, den Begriff „Mutter“ umfassend zu definieren. Ist Mutter-Sein ein essentieller Seinszustand oder nur eine Eigenschaft, ein irreversibles Schicksal oder eine Rolle? Kein Wunder, dass mit der Emanzipation und der sogenannten „Öffnung des Familienbegriffs“ viele Frauen die Gelegenheit ergriffen, sich der „Herausforderung Mutter“ entweder zu entziehen oder aber nach neuen Mutterrollen zu suchen. Das Dogma von der Vereinbarkeit von Kind und Beruf erleichtert diese Suche. Mütter müssen heute nicht mehr Gottesmütter sein, sie dürfen nebenher auch Managerin oder Wirtschaftsministerin sein. Es wird hier, das muß schnell noch gesagt werden, auch auf die eine oder andere Weise bayrisch zugehen. Aber das hat ja vielleicht auch so seine Reize.

Auf der informativen Webseite gibt es auch den Button zum live hören.

Und wer doch zum Kuchenessen geht oder aus anderen Gründen keine Zeit hat, der kann ja auch einen RadioRecorder nutzen, etwa den, den wir hier schon vorgestellt und angeleitet haben: dradio-Recorder von Deutschlandradio

Viele Spaß beim Hören!

 

Ellen Salverius-Krökel

« zurück

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*