Hör-Tipps für die Weihnachtszeit

1. Apr 2015

Zwischen den Jahren hat mancher es gerne etwas ruhiger oder freut sich auf Zeit für etwas anderes oder möchte einfach mal nicht aus dem Haus und den Geist anderweitig beschäftigen. Da bietet es sich doch an, mal wieder angeregt Radio zu hören. Wie wäre es also mit einer guten Lesung? Oder einem Hörspiel? Es gibt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gar nicht wenig von dieser Art Hörgenuss, trotz oder wegen der allgegenwärtigen Bildschirme. Und in der Weihnachtszeit sogar deutlich mehr. Als da wäre: …

Für die Zeit von Weihnachten bis Neujahr haben die Radiosender also wieder Erlesenes aufgetischt. Der Deutschlandfunk sendet vom 25.12. bis 1.1. jeden Mittag um 13.30 Uhr in der Lesezeit Spezial einen schönen, alten Klassiker, aber neu übersetzt: Jaroslav Hašek – Die Abenteuer des guten Soldaten Švejk im Weltkrieg, gelesen von Josef Tratnik. Um was geht es?

In Tschechien gehört der „Švejk“ zum Nationalerbe; in Zeiten der Okkupation war er ein Widerstandsbuch. Ins Deutsche übersetzt wurde der Text bisher aber erst einmal: von Grete Reiner, die in den 1920er-Jahren mit ihrem „Böhmakeln“ gleich eine eigene Sprachform für Švejk schuf. Doch Švejk spricht im Original sauberes Umgangs-Tschechisch, eine Sprache, die sich keineswegs durch grammatikalische Unkorrektheiten auszeichnet. Es war also an der Zeit, eine neue Übersetzung vorzulegen.

100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erweist sich der Roman als erschreckend zeitgemäß in seiner Aufdeckung von Behördenwillkür, Selbstüberheblichkeit der Militärs, Obrigkeitshörigkeit und Dummheit.

Der SWR bietet mit seinem zweiten Programm wieder ein Feiertagsprogramm. Diesmal das Weihnachtshörspiel Jugend und Vollendung des Königs Henri Quatre von Heinrich Mann, in 6 Teilen, beginnend am 21.12 und endend am 01.01., jeweils ab 18.20 Uhr. Der Inhalt in Kürze: Heinrich Mann stieß 1893 während seiner ersten Frankreichreise auf die Biografie des Königs Henri IV., ab 1933 schrieb er einen Roman-Zweiteiler über diesen ebenso menschenfreundlichen wie machtbewussten Herrscher, der Frankreich von 1589 bis 1610 regierte, das von den Bürgerkriegen zerrüttete Land wieder aufbaute und mit dem Edikt von Nantes den französischen Protestanten freie Religionsausübung zusicherte. Dies ist übrigens, ganz wichtig, ein Produktion des Rundfunks der DDR von 1971.

Wer Kinder/Jugendliche im Haus hat, oder selber Freude an dieser jugendlichen Literatur hat, dem sei anempfohlen Der Herr der Diebe von Cornelia Funke, in 3 Teilen. Der Roman ist zwar schon einige Jahre alt, aber immer noch hervorragend, denn ansonsten hätte sich SWR und NDR nicht zu dieser Hörspielaufnahme bereitgefunden. Und überhaupt sind die Bücher von Cornelia Funke fast alle auch besonders gut für Erwachsene geeignet, man denke nur an die Tinten-Romane. Also, unbedingt anhöre!

Und wem das nicht gefällt oder gar nicht ausreicht, der/die kann zurückgreifen auf z.B. das Archiv von Bayern2. Kürzlich lief dort z.B.  Bulgakows Meister und Margarita, in der Neuübersetzung, sogar über einige Wochen. Dieses Hörspiel in 12 Teilen können Sie derzeit noch auf den Internetseiten von Bayern2 nachhören. Dort gibt es unter diesem Link auch reichhaltige Informationen zu Autor, Werk und Übersetzer. Sehr gut!

P.S. Und wer die eine oder andere Sendung nicht hören kann oder der Sender sie leider nicht zum Nachhören /als Download zur Verfügung stellt, der kann sie einfach mitschneiden.

Und das geht so:

Man nehme den dradio-Recorder von Deutschlandradio. Er funktioniert wie ein digitales Tonbandgerät, nimmt zeitgesteuert Sendungen eigener Wahl auf und spielt sie auf Wunsch wieder ab. Aber zunächst braucht man die kostenlose Software:

Download Recorder

Eine erhellende Kurzanleitung findet man auf der sich öffnenden Seite. Die ist übrigens, wie z.B. bei Skype, nur ein kleines Fenster.

Nach dem Download des Players finden Windows-Nutzer in Ihrem Installationsverzeichnis eine Datei mit Namen

Deutschlandradio-Recorder[Versionsnummer].exe

Unter MacOS heißt diese Datei Deutschlandradio-Recorder[Versionsnummer].dmg

Ein Doppelklick auf die jeweilige Datei startet den Installationsvorgang.

bild1

Nachladen des Lame-Codec aus dem Internet (wird nur in der Windows-Version angeboten) (Bild: Deutschlandradio)

Windows-Nutzer werden während der Installation gebeten, das Nachladen eines Codecs aus dem Internet zu gestatten (Bild oben). Schließen Sie den Dialog durch einen Klick auf „ja“ ab. Erst dann ist der Rekorder in der Lage, MP3-Mitschnitte anzulegen und abzuspielen.  Dieser Dialog wird unter MacOS nicht angeboten. Statt des Lame-Codec wird hier ein Codec verwendet, der bereits Bestandteil des Betriebssystems ist.

Nach erfolgreicher Installation finden Sie auf Ihrem Desktop ein neues Symbol (Icon) vor.

bild2

Das Programm-Symbol des Deutschlandradio-Recorders (Bild: Deutschlandradio)

Ein Doppelklick auf dieses Symbol öffnet den dradio-Recorder, der mit aufgeklapptem Deutschlandradio-Menü (Bild 1) startet. Voreingestellt sind die 3 dradio-Programme. Per Klick auf einen der drei Einträge (z. B. Deutschlandfunk) schalten Sie das laufende Radioprogramm ein und hören nach kurzer Ladezeit den sogenannten Live-Stream. Natürlich können Sie jederzeit zu einem anderen der drei Sender wechseln.

bild3

Der Deutschlandradio-Recorder startet mit geöffnetem Deutschlandradio-Menü (Bild: Deutschlandradio)

Ein paar Probeaufnahmen können jetzt nicht schaden, und zudem lernt man den Gebrauch der verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten. Dazu wiederum kann man auch in der Kurzanleitung lesen.

Ellen Salverius-Krökel

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