Hören: Großstadtsymphonie auf New York

24. Mai 2016

altes Radio

„Manhattan Transfer“ als Hörspiel

(esk) Wirklich große Literatur auf große Städte, auf Metropolen, gibt es nicht allzuviele. Aber es gibt sie, und es gibt sie auch als Hörspiele, was aus unterschiedlichen Gründen wirklich erfreulich ist. Von den großen Großtadt-Romanen, also Döblins „Berlin Alexanderplatz“ und James Joyce „Ulysses“ gibt es ja bereits Hörspiele, produziert 2007 bzw. 2011 vom Südwestrundfunk. Der dritte große Roman auf eine Metropole, nämlich auf New York im Roman …

… von Dos Passos, „Manhattan Transfer“, ist nun auch vom SWR als Hörspiel produziert. Übrigens erscheint zeitgleich die Neuübersetzung von Dirk van Gunsterens. Auch sehr löblich.

Gut für uns Radiohörer ist aber auch, dass dieses neue Hörspiel vor Erscheinen im Handel im Rundfunk ausgestrahlt wird – am 22., 26., 29. Mai, jeweils um 18.20h in SWR2, im Juni nochmals im Deutschlandfunk. Natürlich auch als Livestream per Internet für alle Norddeutschen ohne Kabelanschluß.

Wer nun den Roman schon gelesen hat und nun befürchtet, dass die Länge durchaus schwierig im Hörspiel unterzubringen ist bzw. eine Kürzung sicherlich dem Roman schaden könnte, der sei beruhigt, Regisseur und Komponist haben eine kürzere Feassung erstellt, die einmal zeigen können, dass das akustische Medium dem poetischen durchaus mal überlegen sein kann – eine Symphonie aus Geräuschen, Hafen, Kneipe, Zeitungslektüre und vieles andere mehr, alles in Form von Geräuschen.

Ganz kurz zum Inhalt: In den drei Teilen, 1896 bis 1905, 1913 bis 1916 und schließlich 1918 bis 1924, in denen eigentlich in der großen Geschichte so tiefschürfende Umwälzungen wie der Russisch-Japanische Krieg, der Erste Weltkrieg stattfinden, sind hier vielmehr der Kapitalismus, die aufkommende Unterhaltungsindustrie, die pulsierende Großstadt und mit ihr die Menschen das Thema des Romans. Alles andere scheint weit entfernt. Aber das ganze Spektrum an mehr oder weniger zwielichtigen Gestalten, an Glücklosen, an den Rand gedrängten rücken hier ins Blickfeld; alle auf einer Abstiegsspirale, alle in der Machinerie der Metropole verfangen. Wir werden Zeugen von Familiengeschichten, aber ohne glückliches Ende, ja ganz und gar ohne Ende, denn alles endet wieder im hektischen Getriebe der Stadt. Vor dem Hintergrund der neuen Reize Amerikas kann man erkennen, was dieses Land für die aus Europa ankommenden, nach Zukunft suchenden Menschen bedeuten konnte. So ist alles im Fluß, gut abzulesen auch an der Erzählweise des Autors. Man kann, dank der großartigen Geräuschkulisse, sich schier mitreißen lassen in diese Ströme des Neuen, das hier entstand.

Einen ersten Eindruck davon kann man für 2:42 Minuten schon jetzt gewinnen: Ausschnitt aus: Am Fährboot

Auf der Webseite des SWR2 kann man weitere Informationen finden. Dazu noch weitere Ausschnitte aus dem Hörspiel.

Ein umfangreicher Artikel zu Hörspiel, Hintergrund, Enstehung, Schauspieler usw. können Sie hier finden: „So vielstimmig haben wir New York noch nie gehört“

Wenn Sie lieber warten wollen und auch nicht RADIOREKORDER aufnehmen wollen, dann können Sie ab Mai die 6 CDs auch im Handel erwerben, erschienen beim Verlag Hörbuch Hamburg für 20 EURO.

Viel Spass beim Hören!

 

Ellen Salverius-Krökel

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