Jüdisches Leben beiderseits des Rheins …

1. Apr 2015

Yossel Rosheim Plakatausschnitt  … in Mittelalter und Reformationszeit

               (esk) In der letzten Woche war ich für ein paar Tage im Elsass. Natürlich war Colmar auch für mich ein wichtiger    und guter Programmpunkt, schon allein der schönen Stadt wegen. Auf dem Weg zwischen Museum Unterlinden und Dominikaner-Kirche fiel mein Blick auf ein Plakat mit einer interessanten Ausstellungsankündigung: Yossel de Rosheim (1476 – 1554)

Yossel de Rosheim (1476 – 1554) – ein engagierter Jude im Europa seiner – und unserer Zeit. Anders ausgedrückt, über den Sprecher der gesamten Judenheit des Reiches, dem Vertreter der jüdischen Gemeinden im Heiligen Römischen Reich und Polen, der während des Bauernkrieges seine Heimatstadt Rosheim, im Elsaß, vor dem Sturm der Bauern unter Erasmus Gerber bewahrte und der 1520 anlässlich der Krönung Karl V. zum Kaiser einen Schutzbrief für alle Juden des Reiches erwirkte. Wer also bis zum 23. Aug. zufällig noch in der Gegend von Colmar sein sollte, dem sei diese kostenlose Ausstellung in der Bibliothek der Dominikaner (Bibliothèque de Dominicains) empfohlen. Natürlich sind die Ausstellungstexte alle auf Französisch, die Dokumente, Bücher, Flugschriften, Manuskripte sind aber auf Deutsch und des Anschauens wert, vor allem die Bücher der Straßburger Drucker. Ein gelungener „Blick“ auf die große Zeit der aufkommenden Reformation und des rheinischen Humanismus.

Infos zur Ausstellung hier (frz.): Colmar – Office de tourisme

Bibliothèque Colmar

                Dazu passt dann auch eine weitere Möglichkeit sich über jüdisches Leben am Rhein in dieser Zeit, diesmal rechtsseitig, in den alten Städten Speyer, Worms und Mainz zu informieren. Es waren für die Juden die drei größten und einflussreichsten jüdischen Gemeinden im Mittelalter. Hierzu kann man sich auf zweierlei Wege kundig machen, zum einen am kommenden Freitag, 22. Aug., im Radio. SWR2 Wissen sendet um 8.30 Uhr „Alte jüdische Zentren am Rhein. Die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz“ von Martina Conrad. SchUM bedeutet die mittelalterlichen, hebräischen Namen der drei genannten Städte: Schpira, Warmaisa und Magenza. Sie haben Kultur, Religion und Geistesleben entscheidend geprägt, sie sind reich an einzigartigen Zeugnissen der mittelalterlichen jüdischen Geschichte. Die Sendung, so steht in der Ankündigung, begleitet aktuelle Forschungen zur Dokumentation des jüdischen Erbes und die derzeitigen Bemühungen um eine Anerkennung als UNESCO-Welterbestätte.

Die Sendung läßt sich nach der Ausstrahlung dann hier übrigens auch als Podcast herunterladen.

                Über die SchUM-Städte und ihre jüdische Geschichte kann man sich aber auch im Internet informieren: SchUm-Städte. Zentren jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Neben einer Einführung gibt es eine Vorstellung der drei Gemeinden, die besonders ausführlich und informativ ist und nicht nur das Mittelalter betreffen. Viel Lesenswertes zu den Legenden, sei es nun die der Gründung, die ihrer Geschichte und die der Gelehrten, die durchaus wie Heilige verehrt wurden. Es gibt Texte zur jüdischen Besiedlung des Rheinlandes im Mittelalter, über christlich- jüdischen Beziehungen (christl. und jüd. Streitschriften, Verfolgung und Vertreibung) und das Gemeindeleben (Institutionen und Berufe). Vervollständigt wird die gute Webseite durch eine umfangreiche Literaturliste. Die Links jedoch fehlen leider, trotz Menüpunkt. Alle Texte lassen sich auch per angebotener Druckversion ausdrucken.

Ellen Salverius-Krökel

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