Miró. Malerei als Poesie

24. Mai 2016

Ausstellung im Bucerius Kunstforum Hamburg

vom 31. Januar 2015 – 25. Mai 2015.

Das gesamte Ausstellungskonzept wurde in Kooperation mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf erarbeitet, wo übrigens diese Ausstellung im Anschluss an Hamburg vom 13. Juni bis 27. September 2015 im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zu sehen ist.

Die Kuratoren dieser Ausstellung zeigen mit einem bisher noch nicht behandelten Thema anhand von rund 80 Gemälden und über 250 von Miró gestalteten Künstlerbüchern die gegenseitige Inspirierung von Malern und Dichtern in ihrem nahen Umfeld zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie verdeutlichen, wie fruchtbringend eine geistige Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichen Ausdrucksarten sein kann.

Im Zusammenhang dieser Schau soll auch weiter geforscht werden zu dem noch wenig bekannten Einfluss der einzelnen Dichtungen auf Miró und umgekehrt. Eine zukünftige Sicht aus einem neuen Blickwinkel auf Mirós Werk könnte beim Museumsbesucher eine andere, aus meiner Perspektive eine weitere spannende Betrachtung seiner Bilder bewirken.

In einem Rückblick auf das vorbereitende Symposium in Hamburg mit den beiden Direktorinnen beider Häuser, Ortrud Westheider und Marion Ackermann, und dem englischen Kurator Michael Peppiatt schreibt die wissenschaftliche Volontärin der Kunstsammlung Düsseldorf Valerie Hortolani, über die Beiträge der einzelnen Vortragenden.

So berichtete der Engländer Michael Peppiatt:

„Er stellte Miró als „painter among poets“ vor, der im Paris der 1920er Jahre zahlreiche Dichter wie Paul Éluard, Henri Miller oder Tristan Tzara kennenlernte, die ihn nach eigener Aussage weitaus mehr inspirierten als die Maler, die er dort traf.“

Miró empfand sich eher als Malerdichter, da er sein Schaffen und Leben nicht nur vom Malen her sah, sondern für ihn war das Malen und die Literatur ineinander verschmolzen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir in Mirós Bildern immer wieder auf Wort- und Buchstabendarstellungen stoßen, die eine starke Ausdruckskaft besitzen. Diese Darstellung ist somit als ständiger Austausch von Malerei und Litertur zu sehen, was auch Michael Peppiatt so sah und kein zufälliges Ergebnis sei.

Der in Palma de Mallorca wohnende Enkel Joan Mirós, Joan Punyet Miró, der den Nachlass Mirós verwaltet, zeichnet in seinen Dalegungen und allein in diesem Satz „Der bibliophile Miró muss ständig gelesen haben, sogar in seinem Tagesablauf nahm das Studium der Literatur einen festen Platz neben der Arbeit im Studio ein“ das Bild eines Malers, der neben der Malerei eng mit der Literatur „verwachsen“ war. Über 1700 Bände der Weltliteratur verwaltet der Enkel und sieht im Inhalt der handschriftlich angelegten Listen der Bearbeitungsnotizen einen Hinweis auf das Denken des Großvaters.

Am Beispiel von detaillierten Analysen einiger Werke Mirós zeigte die Literaturwissenschaftlerin Laetitia Rimpau von der Goethe-Universität Frankfurt auf, wie sehr der Maler insbesondere gern die Vokale a, e, i, o, u  als eine poetische Sprachkunst in seinen Werken verwendete.

Einen kurzen Auszug Ortrud Westheiders zum Beweis, wie sehr seine Werke Einfluss auf andere Maler um André Breton ausübten, möchte ich hier im Wortlaut wiedergeben.

„Besonders seine Serie der „Peinture-Poèmes“, in denen teilweise Mirós eigene, teilweise die Gedichtzeilen befreundeter Schriftsteller unmittelbar auf der Leinwand zu lesen sind, hatte nachweislich eine große Bedeutung für René Magritte. Mirós Gemälde mit so klangvollen Titeln wie „Étoiles en des sexes d’escargot“ (Sterne im Geschlecht von Schnecken, 1925) oder „Le signe de la mort“ (Das Zeichen des Todes, 1927) trieben auch Magrittes malerische Suche nach vieldeutigen Wort-Bild-Verbindungen voran. Als regelrechte „Autopiktologien“ reflektieren diese Bilder ihre eigene Verfasstheit, wie es dann mit Magrittes Gemälde „Ceci n’est pas une pipe“ (Dies ist keine Pfeife, 1929) bekanntermaßen auf die Spitze getrieben wurde.“

Für mich wird die Ausstellung allemal spannend sein. Einige Bilder der Gesamtausstellung haben wir auf unserer Seite während der Ausstellungszeit verwenden dürfen. Wie immer sind sie hier bei uns auf zweifache schon mehrmals beschriebene Weise zu vergrößern, sodass die Detailansicht eine ausgezeichnete Bildbetrachtung bietet.
Informationen sind der Hauptseite zu entnehmen.

Ausdrücklich erwähnen möchte ich, dass es zusätzlich zu den Führungen und der Möglichkeit, sich vor Ort einen Audioguide auszuleihen, auf der Internetseite (unter Audioführung zum Download) einen Audioguide zum Download bereit gestellt wird, der mit seinen weit über 30 Einzeltonaufnahmen nach dem Download nicht nur als eigener Guide auf dem pers. Gerät zur Verfügung steht, sondern auch als eine gute Informationsquelle zur Vor- oder Nachbereitung des Ausstellungsbesuches mit gleichzeitiger vertiefender Bildbetrachtung der Bildauswahl hier auf unseren Seiten dienen kann.

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Margret Budde

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