Minnesang und Heldendichtung

8. Mrz 2019

Vorlesungen offen für alle

(esk) Auch in diesem Jahr hat uns Prof. Leng vom Institut für Germanistik, Abteilung Germanistische Mediävistik und Frühneuzeitforschung am Karlsruher Instituts für Technologie, informiert und damit um Weiterverbreitung seiner Einladung zu zwei Vorlesungen (Vorlesungen offen für alle) zur Literatur des Mittelalters gebeten. Diesmal geht es um Minnesang und höfischen Roman. Und da vielfach die Autoren beide Gattungen zu nutzen wußten, kann man vielleicht ganz gut gleich beide Vorlesungen anhören, zumal sie am selben Tag stattfinden.

Ohne Minnesang kein Bild vom Mittelalter, und ohne die Helden und die Gralssucher dieser Zeit eben auch nicht. Und diese Zeit ist in Deutschland die Stauferzeit, also z.B. Kaiser Friedrich Barbarossas Zeit. In Jahreszahlen ausgedrückt bezogen auf die deutsche Literatur: 1170 – 1250, wohl die wichtigste Epoche der mittelalterlichen deutschen Literatur, mit einer Literatursprache, dem Deutschen inkl. dialektaler Abwandlungen, von Rang. Aber es war noch ausschließlich die Literatur der geistlichen Dichter oder später eine Kunstform der Ritter und Ministerialen; es ist adelige Standesdichtung und wurde auch nur im Umfeld des Adels dargestellt, z.B. auf dem durchaus bekannten Mainzer Hoffest oder Hoftag von 1184 (s.u.). Dichter und Sänger führten die Werke auf. Der Minnesang etwa als einstimmiger Solovortrag begleitet von Fiedel, Harfe, Flöte, Dudelsack, Schalmei, hatte eine zentrale Rolle im höfischen Festtagsablauf, durchaus auch als Wettstreit der Minnesänger gegeneinander ausgetragen. Man mußte ja nicht unbedingt wie die Ritter sich im Turnier aus den Sätteln hebeln, was aber natürlich ebenso zu diesen Festen gehörte, und zur Minne. Denn auch: Minne ist ein swaerez spil!

Wer aber waren die Minnesänger und die Helden? Über beide geben ab dem 24. April zwei Vorlesungen am  Institut für Germanistik, Abteilung Germanistische Mediävistik und Frühneuzeitforschung des Karlsruher Instituts für Technologie Auskunft. Über den Minnesang liest Prof. Dr. Mathias Herweg. Er bietet einen historischen und systematischen Überblick über die zentrale Gattung mittelalterlicher Lyrik. Natürlich sollen Walther von der Vogelweide, Oswald von Wolkenstein und weitere auch weniger bekannte Autoren vorgestellt werden und damit ihr verschiedenen Ausführungen des Minnesangs, mit dem Werben der männlichen Sänger um die Geliebte. Aber, es gibt auch die weibliche Sicht!

Prof. Dr. Rainer Leng, der uns schon im letzten Jahr zu seiner Vorlesung nach Karlsruhe eingeladen hatte und den MOOC zu Karl dem Großen angeboten hatte, führt mit seiner diesjährigen Vorlesung ein in den höfischen Roman, in dem es ja eben um die Helden und Gralssucher geht wie im Eneasroman von Heinrich von Veldecke, Hartmanns von Aue Erec und Iwein und nicht zuletzt den Parzival von Wolfram  von Eschenbach. Hohe deutsche Literatur des hohen Mittelalters, die ein bis heute ein nachwirkendes Bild erschuf.
In beiden Vorlesungen werden natürlich auch die europäischen Wurzeln, die interkulturellen Wurzeln beleuchtet.

Weitere Informationen (inkl. Textempfehlung) entnehmen Sie bitte dem Flyer
Die Vorlesungen starten am 25. April.

Eine kleine Anmerkung resp. Wunsch nach Karlsruhe: schön wäre es natürlich, wenn man die Vorlesungen auch online haben könnte, nicht unbedingt live, als Aufzeichnung reichte völlig aus.

Wer sich nun aber angestoßen fühlt, mehr vom Mainzer Hofftag von 1184 zu erfahren, mag hier schauen:

Leben im Mittelalter: Kaiser Barbarossa regiert das Land     Ein kleiner Film

Streit um die Sitzordnung – Geschichte des Südwestens

Der Mainzer Hoftag von 1184 ist auch von den Autoren der Zeit verarbeitet worden. Wer also lieber liest, und zwar Primärliteratur, mag sich gleich mal an Heinrich von Veldecke probieren, er schildert dieses Mainzer Hoffest in seinem Eneasroman, auch als Übersetzung aus dem Mittelhochdeutschen zu haben.

Ellen Salverius-Krökel

 

 

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