Wenn einer eine Reise tut …

11. Nov 2018

… dann kann er was erzählen

Eine Kulturgeschichte der Postkarte – Hören Sie mal

Zum Glück scheint das Schreiben und Verschicken von Postkarten ja wohl doch noch praktiziert zu werden. Andererseits verwundert es mich doch immer wieder, dass es sie überhaupt noch gibt, und sogar in vielfacher und schöner Auswahl. Aber vielleicht irre ich mich ja auch. Jedenfalls beschäftigt das Thema doch immer noch wieder , …

… so erst kürzlich den SWR in der Sendung SWR – Forum: Sonnige Grüße. Eine Kulturgeschichte der Postkarte. Die Talk-Runde, alles Fachleute zum Thema, fand sich zu folgender Themenstellung ein:  „Das Wetter ist schön, das Wasser warm und das Essen prima“ – wer hat nicht schon selbst einmal eine ähnlich lautende Postkarte aus dem Urlaub verschickt? In Zeiten von WhatsApp und Facebook aber wirkt die Kombination aus Floskeln, kitschigen Palmen-Motiven und einer exotischen Briefmarke für die Daheimgebliebenen wie ein Ferien-Ritual aus einer längst vergangenen, analogen Welt. Doch noch immer sendet fast die Hälfte aller deutschen Urlauber ihre Grüße in die Heimat per Postkarte. Warum sind Ansichtskarten auch in der Social-Media-Ära so beliebt? Was verraten die Motive und Texte über ihre Zeit? Und was reizt Künstler und Schriftsteller wie Jurek Becker oder Klaus Staeck an diesem Medium? (zit. nach https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-forum/swr2-forum-sonnige-gruesse/-/id=660214/did=22025968/nid=660214/14ftnkb/index.html).

Das ist interessant nachzuhören und auch herunterzuladen, nämlich hier: „Sonnige Grüße“

Wer nur oder hinterher zu einem Buch zum Thema greifen möchte, wird hier fündig:                                Anett Holzheid, Das Medium Postkarte. Eine sprachwissenschaftliche und mediengeschichtliche Studie, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2011, EUR 59,80
Vor allem zur Vorgeschichte und Entstehung des Mediums Postkarte ein sehr lesenswertes und interessantes Buch, das auch die Feldpostkarte nicht ausschließt, die natürlich nicht von solch wunderbaren Urlaubstagen berichtete, das die Frage nach Geschlechterrollen im Zusammenhang mit Postkarten stellt und manche sprachliche Besonderheit herausstellt. Und dann gab es da ja auch noch die Briefmarkensymbolik, die wenig mit der Wertmarke, aber viel mit einer Geheimsprache zu tun hatte.

Ellen Salverius-Krökel

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Ein Kommentar zu “Wenn einer eine Reise tut …”

  1. Eleonore Zorn sagt:

    Danke für den Artikel zum Thema „Ansichtskarten schreiben“. Ich habe mir den Mitschnitt der Sendung angehört und ich freue mich nun um so mehr, dass ich einige liebevoll ausgesuchte Postkarten bekommen habe im Laufe des Sommers. Alle waren sie mit relativ ausführlichen und von Herzen kommenden Mitteilungen in Handschrift versehen und alle kamen sie von jungen Menschen. Ich möchte das betonen, da in der Sendung bemerkt wurde, dass Ansichtskarten heute fast nur noch von älteren Menschen verschickt werden.
    Gerade als alter Mensch freut man sich natürlich, wenn Freunde oder Verwandte sich im Urlaub die Mühe machen, eine Karte auszusuchen, eine Briefmarke zu kaufen, einen Text handschriftlich zu verfassen und dann auch noch einen Briefkasten (gar nicht so einfach heute) zu suchen. Oft kommen die Karten erst lange nach der Rückkehr der Urlauber an, das sorgt dann noch zusätzlich für Gesprächsstoff und für Heiterkeit. Der Gedanke, dass die Karte so weit gereist ist wie die Urlauber selbst ist für mich auch sehr reizvoll.

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