Zum Hören

1. Mrz 2016

Siegfried Lenz: Der Überläufer – auch zum Hören

altes RadioAls ich am letzten Samstag beim Buchhändler einen – scheinbar neuen – dicken Roman von Siegfried Lenz liegen sah, war ich doch etwas verwirrt. Wie kann das gehen, ein neuer Roman, mehr als ein Jahr nach seinem Tod?

Aber leider konnte ich vor Ort die Verwirrung nicht auflösen, da ich abgelenkt wurde. Ich kam auch leider nicht mehr darauf zurück, so dass mir das Buch sogar wieder gänzlich, oder wenigstens nahezu gänzlich, entfiel. Erst heute Morgen erinnerte ich mich wieder, allerdings bei der Suche nach etwas ganz anderem – wie so oft im Leben und im Internet.

Kurz gesagt: es gibt einen neuen alten Roman von Siegfried Lenz, 65 Jahre alt und niemals erschienen. In den Medien gab es zum Wochenende, nachdem es nun aus dem Nachlass veröffentlicht wurde, bereits eine Reihe von Rezensionen dazu. Ich bin dabei sie zu sortieren. Dennoch, bevor in dieser Flüchtlingszeit auch die Pausen davon immer schneller vergehen und/oder kürzer werden, möchte ich, wenn auch noch ungelesen, dieses Buch empfehlen. Ich gebe mich auch gerne als Lenz-Leserin zu erkennen, es waren erste wichtige Bücher für mich in meinem Leserinnen-Leben.

Die unten aufgelisteten Kritiken deuten ein gutes Buch an, ein dringend zu lesendes Buch. Dringend wegen der Zeitbezüge? Nein, vielleicht denn doch mal nicht, aber wie schon gesagt, die Zeit ist schnelllebig, und derzeit haben wir den Verlust, den Tod von so vielen hochkarätigen Autoren, Denkern zu verkraften, dass man doch große Not hat mit dem Lesen – von immer-noch-nicht-Gelesenem, von Nachrufen. Wie schnell wird auch Lenz wieder vergessen sein. Also, ein großer Nachkriegsroman, ein Anti-Kriegsroman, der uns das Verständnis der damaligen Zeit heute nicht so leicht fallen läßt, es war die Stalin-Ära, da kam ein solcher Roman völlig unpassend.

Ein ganz kurzer Eindruck vom Inhalt, kopiert beim NDR: „Lenz erzählt die Geschichte eines Wehrmachtssoldaten, der zur Roten Armee überläuft. Der, liebenswürdig dargestellt, in die Situation kommt, auf seine Verwandten zu schießen. Ein Stoff, der im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland den Lesern wohl nicht zumutbar erschien.“ Das Buch wurde 1951 also vom Verlag abgelehnt, Siegfried Lenz hob es bis zu seinem Tode auf.

Man mag beim Lesen vielleicht den „bekannten“ Stil des Siegfried Lenz vermissen, aber wer sich darauf einläßt, so mein erster Eindruck, wird nicht umhin können zu konstatieren, dass dies ein sehr eindringlicher Text ist.

Wer nicht das Buch kaufen möchte, oder noch nicht, der kann ihn derzeit bei NDR Kultur hören, in der Reihe „Am Abend vorgelesen“, in 10 Teilen, ab heute dann bis zum 11. März. Einen Plan mit den Sendeterminen findet man auf der unten genannten Webseite. Der erste Teil von gestern, 29.02. ist hier, aber nur für 24 Stunden, auch noch nahzuhören: Lesung „Der Überläufer“

Weitere Kritiken u.ä.:

Zu lesen gibt es mehr dazu auch bei NDR Kultur

Am 28.02. bei „titel – thesen – tempramente“ (ARD) , hier der Filmbeitrag

Eine ausführliche Rezension der Süddeutschen Zeitung vom 27.02.

Beim WDR gibt es einen ca. 6-minütigen Audio-Beitrag, auch als Download

Und wer Mitte März in der Nähe von Marbach am Neckar ist, der mag am 15.03.2016 um 19.30 Uhr ins Deutsche Literaturarchiv Marbach gehen, dort wird im Rahmen der Zeitkaspsel 42 zum 90. Geburtstag von Siegfried Lenz dieser Roman vorgestellt (In Kooperation mit der Siegfried Lenz Stiftung). Mit dabei ist Burghardt Klaußner, der beim NDR den Roman vorliest.

Per Suchmachine lät sich natürlich noch viel mehr finden, ich habe die bekannteren Medien ausgewählt.

Ellen Salverius-Krökel

 

 

 

 

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