Das (verlorene) Paradies

5. Jul 2016

(mb) Zur Ausstellung im August Macke Haus in Bonn vom 26.09.2014 – 25.01.2015 zeigen wir Ihnen Bilder einiger Expressionisten, die uns mit freundlicher Genehmigung des August Macke Hauses zusammen mit Textausschnitten im Rahmen der bevorstehenden Ausstellung zur Veröffentlichung auf unseren Seiten zur Verfügung gestellt wurden.

Expressionistische Visionen zwischen Tradition und Moderne lautet der Untertitel dieser Ausstellung, die anlässlich des 100. Todestages von August Macke dem Paradiesthema in der Kunst um den Ersten Weltkrieg gewidmet ist. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das im Oktober 1912 von August Macke und Franz Marc gemeinsam gemalte, fast 4 x 2 Meter messende Paradiesbild in Mackes Atelier im Dachgeschoss seines Wohnhauses in Bonn.

Das Paradiesbild von August Macke und Franz Marc ist nicht nur Manifestation einer unvergleichlichen Künstlerfreundschaft, die in Bonn in Mackes Wohnhaus gelebt wurde. Dieses Bild ist zugleich auch von programmatischer Bedeutung für das Werk beider Künstler: Die Suche nach dem verlorenen Paradies, nach Harmonie und Einklang des Menschen mit seiner Umwelt, nach Rückkehr zum Ursprünglichen, zum Unverdorbenen und Reinen bestimmte das Werk beider, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Suchte Macke die künstlerische Rückeroberung paradiesischer Gefilde, zuweilen mit Orientalischem bzw. Exotischem verknüpft, fand Marc, ganz franziskanisch gesinnt, im Wesen der Tiere einen unverdorbenen Urzustand.

Und auch zahlreiche andere renommierte und weniger bekannte Künstler der jungen, im Aufbruch befindlichen Generation zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigte das Thema „Paradies“, wie unsere Ausstellung nun erstmals verdeutlicht. Denn wie kaum ein anderes bot dieses Sujet die Möglichkeit, Sehnsüchte, Visionen und Utopien von einer idealen Welt darzustellen.

Weit über die künstlerische Aneignung des Themas hinaus lässt sich in den vielfältigen Vorstellungen vom Paradies der Schlüssel zum Lebensgefühl der Moderne finden. Lebensreformerisch geprägt, zeugte das Thema vor dem Ersten Weltkrieg von der Erwartung an eine Welt, in der die entfremdenden Erfahrungen der abendländischen Zivilisation überwunden waren. Eine zukunftsfrohe Utopie, die sich mit der Hölle des Ersten Weltkrieges zu einer Sehnsuchts- und Heilslandschaft wandelte. Galten die ersten Ansätze noch der Konstatierung des Verlustes, so transportierte das „Paradies“ weiterhin als utopisches Denkbild die Hoffnungen des 20. Jahrhunderts.

Über 60 Werke von August Macke, Max Beckmann,  Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Max Pechstein, Richard Seewald, Karl Schmidt-Rottluff u. a. werden gezeigt.

Öffnungszeiten sind Di – Fr 14.30 – 18 Uhr;  Sa, So, Feiertage 11 – 17 Uhr
Öffentliche Führung findet jeden So 11.30 Uhr statt.

Die Ausstellung ist Teil des LVR-Projektes
1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der erste Weltkrieg

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Margret Budde

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