„Zugvögel: Kundschafter in fernen Welten“

8. Mrz 2018

(mb) 2016 war in der Sendereihe die Terra X-Dokumentation „Zugvögel: Kundschafter in fernen Welten“ zu sehen, die uns die Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten des Vogelzuges auf dem Weg ins Winterquartier vor Augen führten.

Seit Jahrzehnten erkunden Vogelforscher das Verhalten der Zugvögel auf ihren jährlichen Wanderzügen zu ihren Brutgebieten und wieder zurück. Flugrouten, Aufenthaltsorte unterwegs, Flughöhen, örtliche Gegebenheiten, Wetterverhältnisse und vieles andere mehr sind von großem Interesse. Dabei geht es nicht nur – hier aber in erster Linie – um die Vogelwelt, die uns menschlichen Lebewesen in unserem täglichen Verhalten so einiges voraus haben.

Für diese Dokumentation zeichnete eine gyrostabilisierte Helikopter-Kamera während des Fluges z. B. die sehr gefahrvollen Etappen auf dem Flug eines Jungstorches zum Winterquartier auf, wobei die Überquerung der Straße von Gibraltar für jeden Zugvogel ohnehin eine große Herausforderung darstellt. Eine Notlandung unterwegs aus Erschöpfung gleicht dabei einem Todesurteil.

Wissenschaftler machen sich seit Jahren die Erkenntnise aus den unterschiedlichsten Gebieten der Tierforschung zunutze, hier besonders der Ornithologie, um ihre nützlichen Eigenschaften in anderen Bereichen des menschlichen Lebens einzusetzen. Denken wir nur an die Errungenschaften im Flugzeugbau, bei dem viele Eigenschaften des Vogelfluges ausgewertet und übernommen worden sind.

Ein wenig bekanntes Beispiel, wie Tiere zum Nutzen des Menschen eingesetzt werden, sei im „Frühwarnsystem“ des Kanarienvogels erwähnt, beschrieben u.a. im Bergbaumuseum Grube Samson in Andreasberg

Die hohe Sensibilität des Kanarienvogels gegenüber geruchlosen schädlichen Luftgemischen wurde in früheren Jahren zum Schutz der Bergleute weltweit genutzt durch Mitnahme eines Kanarienvogels in den Schacht. Vernahm man keine Vogelstimme mehr, blieb nur noch wenig Zeit, die Grube zu verlassen.
Auch LEMO berichtet aus den Anfängen des Ersten Weltkrieges über das Halten von Kanarienvögeln in den Schützengräben zum Schutz vor den todbringenden Gasen, bevor die Gasmasken zum Einsatz kamen. LEMO

Nun, nach diesem kleinen Exkurs zum Einsatz von Kanarienvögeln zum Wohle der Menschen, geht es zurück zum Forschungsprojekt des Max-Planck-Instituts für Ornithologie (MPIO) in Radolfzell.
Eine der wichtigsten Fragen in diesem Projekt ist zu beantworten:

Wie navigieren Vögel?

Waren früher für den Vogelkundler aufwendige Experimente erfolderlich, um etwas über die Flugroute eines Vogel zu erfahren, so werden inzwischen hochsensible möglichst kleine und leichte Hightech-Sender eingesetzt. Noch – zur Zeit dieser Doku – läuft all dies in einer Experimentierphase.

Am Ende sollen dann Daten über jede Flugbewegung eines Vogels als GPS-Koordinaten aufzeichnet und gleichzeitig mit Daten über Flughöhe, -geschwindigkeit, Luftwiderstand und Energieverbrauch, gleich in welchem Erdteil, über einen Sender weitergeleitet werden.

Welchem Zweck soll das Vorhaben dienen?

Hier zitiere ich aus der Senderseite:

„Über das Flugverhalten der Vögel können wir dann herausfinden, wie die Welt sich an diesem Fleck gerade verändert.“
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Mit Graugans-Küken, die sich – wie man seit Konrad Lorenz weiß – leicht auf Menschen prägen lassen, wird gerade die erste Sender-Generation in mühevoller Kleinarbeit kalibriert. Denn nur, wenn die Sender präzise und konstant messen, wird man in Zukunft Erstaunliches per Vogelzug erfassen und vorhersagen können – von lokalen Windverhältnissen bis zu Unwettern, drohenden Erdbeben oder Riesenheuschrecken-Plagen. Denn wenn Vögel ihre Flugroute ändern, hat das immer einen Grund. Mauersegler etwa können Unwetter erspüren, die noch 600 Kilometer entfernt sind. Sie können auch während des Fluges schlafen – und so Tage oder Wochen in der Luft verbringen.“

Zum Film

Quelle: Terra X

Beitrag als Pdf

Margret Budde