An-a-tomie

1. Okt 2015

(mb) Oft sind es die winzigen Kleinigkeiten, wie eine kurz beigefügte Information in einer Mail, die den letzten Schwung zu einem lange geplanten aber immer wieder verschobenen Besuch geben.

„An-a-tomie“

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„Die Ausstellung stellt unterschiedliche Betrachtungsweisen auf den Körper in Bezug zueinander. Der Blick des Anatomen, des Pathologen, des Chirurgen, des Physiotherapeuten, des Bakteriologen, des Designers oder des Künstlers auf den Körper erzeugen völlig unterschiedliche Visualisierungen aufgrund der verschiedenartigen Zielsetzungen. Mehr noch, jede der Verbildlichungen repräsentiert möglicherweise auch jeweils ein anderes Menschenbild.“
Diese Gedanken aus der Einladung zur Ausstellung „An-a-tomie – Einsichten in den Körper“ im historischen Gebäude des PAN-Zentrums Münster waren für mich zunächst ein wenig ungewöhnlich, besser gesagt, ich konnte sie zu meinen bisherigen Ausstellungsthemen nicht so recht einordnen.

Aber nun stand ich in der großen Säulengestützen Eingangshalle.eingangshalle b

Sofort in den Blick rückten die großformatigen Exponate an der gegenüberliegenden Seite. Das 5-teilige Titelbild „An-a-tomie“ nahm mit seiner Größe von 120 cm x 350 cm schon einen beträchtlichen Raum ein. Daneben stellten die beiden Bilder „Organsysteme“ von 120 cm x 0,40 cm in ihrer eher zarten, behutsamen Ausdrucksweise eine Brücke zu den beiden ebenfalls großen Exponaten „Organische Plastik“ 120 cm x 310 cm und 120 cm x 150 cm dar.

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Die „Organsysteme“, heben sich in ihrem Ausdruck stark von den anderen Bildern ab. Unterstützt durch die Herstellungsmaterialien – Organza und Mischtechnik auf Leinwand – riefen sie durch die filigrane Technik ein höchst sensibles Gefühl in mir hervor.

 

 

 

 

 

Bei der Betrachtung wuchs mit jeder neuen Darstellung mehr meine Begeisterung für neue, ganz andere Sichten – auch auf meinen eigenen Körper. In jedem Bild spürte ich die tiefe gedankliche Auseinandersetzung des Künstlers mit seinem Thema, seinem Bild, gleich, ob es als Zeichnung, Aquarell oder in einer anderen Technik erstellt war.

In den drei Etagen mit unterschiedlichen Themenbereichen zeigten die Künstlerinnen und Künstler auf beeindruckende Weise ihre eigenen künstlerischen Sichtweisen auf den Körper, ohne dabei die Präzision der medizinischen Einzeldarstellungen außer Acht gelassen zu haben. Jedem Laien wird hier in verständlichen Darstellungen Gelegenheit gegeben, die eigenen Körperteile in verschiedenen Schwerpunktbereichen kennenzulernen.

Die Ausstellung auf drei Ebenen ist in Themenblöcke gegliedert. Die erste Ebene bietet künstlerische Arbeiten von Prof. Cordula Hesselbarth und medizinische Illustrationen der beiden Diplom-Designerinnen Yousun Koh und Janine Bertet.

Yousun Koh fertigte diese Bilder für ein Internetlernportal für Medizinstudenten und erforderten somit höchste Präzision in der Darstellung.

Janine Bertets Bilder entstammen ihrem aufwendig und umfangreich illustrierten Buch, das sie zusammen mit der Hautklinik der UKM entwickelt hat.

In der 1. und 2. Etage geben die gleichzeitig zu betrachtenden Lehrobjekte des Anatomischen Instituts und die Arbeitsunterlagen Design-Studierender aus der Phase der Ideenfindung einen Anstoß, die eigenen, bislang gewohnten, Zugänge zum Thema Körper zu hinterfragen, was wohl gewollt ist. Hier wird man auf ungewohnte aber sehr plausible Denkrichtungen aufmerksam, Gewöhnliches sich auf außergewöhnliche Weise anzueignen.

kopfFür mich faszinierend war die anatomisch genaue und gleichzeitig künstlerische Darstellung, z.B. des menschlichen Kopfes, der mir in dieser Weise in keinem medizinischem Lehrbuch begegnet ist, vielleicht noch nicht. Lernen aus derart illustrierten Büchern vermittelt dann nicht nur die reine Anatomie, nein, gleichzeitig würde ich es auch als Kunstband bezeichnen, aus dem man mit Freude lernen kann.

In dieser Ausstellung ist der Versuch unternommen worden, sich von überlieferten Denkmodellen zu lösen. Dem Betrachter werden innerhalb verschiedener Kontexte ungewohnte Wege – nur im ersten Moment – der Wahrnehmung aufgezeigt, sich selbst und seinen Körper zu betrachten. Dabei geht vom bekannten Lehrstoff kein Inhalt verloren, im Gegenteil, diese Art der Wissensvermittlung dürfte unauslöschlich im Gedächtnis haften bleiben, so sehe ich es.

Für die einzelnen Bereiche habe ich eine eigene Bildseite erstellt.

Inzwischen ist die Ausstellung wegen der großen Resonanz um 3 Monate bis zum 30. Oktober 2014 verlängert worden.

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Margret Budde

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