Frieden in der Musik

24. Sep 2018

Ein Tag zum Frieden

(mb) Ein Leben ohne Musik ist für mich schwer vorstellbar. Musik gehört zum Menschen seit Urzeiten. Sie transportiert die Gefühle des Menschen und vermittelt, …

… was mit Worten schwer auszudrücken ist. Mit eindringlichen Worten haben die Menschen immer wieder ihre Gedanken zum Frieden kundgetan, ihre Nöte und Sehnsüchte ausgesprochen. Jedoch das gleiche Wort gesungen lässt den Menschen noch intensiver aufhorchen, erfasst sein gesamtes Denken.

Lieder zum Frieden

Beginnen möchte ich mit einigen Texten.

Friede auf Erden

Da die Hirten ihre Herde
Ließen und des Engels Worte
Trugen durch die niedre Pforte
Zu der Mutter und dem Kind,
Fuhr das himmlische Gesind
Fort im Sternenraum zu singen,
Fuhr der Himmel fort zu klingen:
» Friede, Friede! auf der Erde! «

Seit die Engel so geraten,
O wie viele blut’ge Taten
Hat der Streit auf wildem Pferde,
Der geharnischte, vollbracht!
In wie mancher heil’gen Nacht
Sang der Chor der Geister zagend,
Dringlich flehend, leis verklagend:
» Friede, Friede… auf der Erde! «

Doch es ist ein ew’ger Glaube,
Dass der Schwache nicht zum Raube
Jeder frechen Mordgebärde
Werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
Webt und wirkt in Mord und Grauen
Und ein Reich will sich erbauen,
» Das den Frieden sucht der Erde. «

Mählich wird es sich gestalten,
Seines heil’gen Amtes walten,
Waffen schmieden ohne Fährde,
Flammenschwerter für das Recht,
Und ein königlich Geschlecht
Wird erblühn mit starken Söhnen,
Dessen helle Tuben dröhnen:
» Friede, Friede auf der Erde! «

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)

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Shir laSchalom

Am 4. November jährt sich der Todestag Jitzhak Rabins, des damaligen israelischen Ministerpräsidenten. Das Lied für den Frieden Shir laSchalom wurde geschrieben zum Andenken an seine Ermordung am 4. November 1995 in Tel Aviv und ist ein Appell an uns alle zum Frieden, für den Jitzhak Rabin sich sein Leben lang einsetzte und auch gestorben ist. Aus dem Lied.

Lasst die Sonne aufsteigen,
den Morgen erleuchten,
denn auch das stärkste aller Gebete
wird ihn nicht wiederkehren lassen,
den, dessen Licht ausgelöscht,
der in der Staub begraben.
Bitteres Weinen wird ihn nicht erwecken
noch hierher zurückbringen.

Bei hagalil.com lesen Sie gleichzeitig zum Originaltext auch die gesamte deutsche Übersetzung. Für die Originalhöraufnahme wird ein Player benötigt.
»»» Shir laSchalom

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„Verleih uns Frieden gnädiglich“

Dieses eindrucksvolle wohl vielen auch bekannte Lied hat Martin Luther 1529 nach der Antiphon „Da pacem, domine, in diebus nostris“ übersetzt und vertont.

Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

Zur gleichen Zeit und Jahre danach vertonten wiederholt mehrere Komponisten diesen Text.Hans Leo Hassler 1564 – 1612,
Michael Praetorius 1571 – 1621 und
Heinrich Schütz 1585 – 1672. Es folgten
Felix Mendelssohn Bartholdy 1809 -1847,
Arnold Schönberg 1874 – 1951 und
Hugo Distler 1908 – 1942.

Lieder mit Texten von Martin Luther im 16. Jahrhundert drückten ebenso die große immerwährende Sehnsucht der Menschen nach Frieden aus wie heute die Gospels und Spiritual, Friedenslieder der Friedensbewegung und aus Zeiten der DDR, Friedenslieder von Schlagersängern und Liedermachern. Die Liste ist sehr lang. Hier stelle ich nur einige Beispiele aus verschiedenen Religionen und Zeiten vor.

»»» „Friede auf Erden“ op. 13, Arnold Schönberg
mit dem Wiener Kammerchor

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„Verleih uns Frieden gnädiglich“, von Felix Mendelssohn-Bartholdy
Diese Aufnahme mit der Vertonung der Luthertexte von Felix Mendelssohn Bartholdy ist eine MDR Übertragung aus der Thomaskirche Leipzig am 14.01.2016 aus Anlass der Trauerfeier für Kurt Masur.
Gerade diese Aufnahme habe ich gewählt, passt sie doch genau zum Thema Frieden. Das Engagement Masurs als Gewandhauskapellmeister während des Umbruchs in der DDR trug wesentlich bei zum friedlichen Verlauf dieser kritischen Situation 1989.
»»» „Verleih uns Frieden gnädiglich“, von Felix Mendelssohn-Bartholdy

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Mitte des 20. Jahrhundert kamen die Lieder der christlich-ökumenischen Taizégemeinschaft  zu uns, die seitdem von jeder Generation gern gesungen werden.
»»» „Frieden, Frieden“ mit deutschen Texten und der Melodie aus Taizé.

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Die Aufnahme des wohl neuesten Friedensliedes „Suche Frieden“ können Sie hier hören. Die Jugendkirche effata[!] aus Münster sang zum Eröffnungsgottesdienst ihren eigenen Song zum Leitwort des 101. Katholikentages.
Sie schreibt in ihrem YouTube Kanal, was für einige vielleicht von Bedeutung ist:
Rechte: www.feiernwir.de
Das Lied darf gerne überall gesungen werden, die Noten dürfen kopiert werden. Noten und Chorsatz als Download unter www.feiernwir.de
»»» „Suche Frieden“

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Die Kölner Band „Ruhama“, aktiv seit Jahren auf verschiedenen Kirchentagen, singt auf dem Kolpingtag 2015 in Köln. Eine Übertragung des Domradios Köln.
»»» „Komm näher Friede“

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„Hevenu shalom Aleichem“ mit dem La Roche Quartett,

1988 gründeten Streicher namhafter Orchester aus Deutschlands Südwesten das La Roche Quartett. Seit Beginn war es das besondere Anliegen des Ensembles, die Werke derjenigen Komponisten aus Zeiten des NS-Regimes in ihren Konzerten aufzuführen, die zu ihren Lebzeiten keinerlei Anerkennung erfahren hatten. Somit erhalten diese Komponisten posthum die ihnen gebührende Bedeutung in der Musikwelt.
Für den Zentralrat der Juden hat das Quartett das besondere Programm „Jewish Broadway“ für das Kulturprogramm 2016 erarbeitet. In Mannheim besteht die nächste Möglichkeit zum Besuch eines Konzertes. Konzertausschnitte findet man auch im eigenen YouTube Kanal.
»»» „Hevenu shalom Aleichem“ mit dem La Roche Quartett

Quellen
ChoralWiki

Margret Budde

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