Rauhnächte: Vor Silvester

31. Dez 2018

Wir sind nun bei unserer Erkundung der Rau(c)hnächte kurz vor der zweiten Hauptrauhnacht der Zwölften, also Silvester bzw. der Nacht vom 31. Dez. auf den 1. Januar angelangt. Glaubt man Brauchtum und Aberglauben, dann waren auch nach der Christnacht weiterhin Dämonen, Geister, Hexen unterwegs, …

… ziehen in wilder Jagd durch die Lüfte und verfolgen den Menschen mit jeder Art von Unheil, egal ob Krankheit, Tod oder anderes Unglück wie Mißernten u.ä. Also mußte auch weiterhin durch Priester Haus und Hof ausgeräuchert, mit Weihwasser gesprengt und Gebete gesprochen werden. Rauchware war der geweihte Weihrauch, der eben die Dämonen abhalten sollte.

Offensichtlich wird hierbei die Vermischung von Religion und Aberglaube. Trotz der größeren Dominanz der (kath.) Kirche, waren Aberglaube und Brauchtum erstaunlich viefältig, ja, sie bildeten oftmals eine geradezu eigentümliche Allianz. Hinsichtlich des Aberglaubens ging es z.B. um die Vorhersage der Zukunft, dass man etwa in dieser Zeit nicht dreschen soll, sonst verdirbt das Getreide , so weit man den Schall hört;  es ging um die Vorhersage von guten  oder schlechten Ernten. Oder es ging häufig um die Gesundheit: man setze sich nicht auf den Tisch, sonst kriegt man Furunkel. Heiratsorakel waren weit verbreitet. Und dann kam in diesen Tagen und Nächten auch die Berchta (wilde Perchta) nicht zur Ruhe, unsichtbar äußerte sie sich durch entsetzliches Pfeifen und Winseln.

Die Kirche hatte in dieser Zeit, wie schon für die vorherigen Nächte erwähnt, von ihrer Seite ihre Heiligen anzubieten, die mit deren Gedenktagen in schweren Zeiten zu helfen suchten. Für den 28. Dezember steht der der Tag der Unschuldigen Kinder oder Gedenktag für die Bethleheminischen Kinder. Sie seien ohne Schuld und als Märtyrer, und sogar stellvertretend für Christus gestorben. Nachzulesen ist dies vielleicht am besten im Matthäus-Evangelium.  Aber auch in vielen Kirchen läßt sich dies noch bildlich anschauen, der Kindermord des Herodes. Mindestens seit dem 5./6. Jahrh. wird ihrer als Märtyrer gedacht.

Aberglaube zum Unschuldige Kindertag

Das Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens hat dazu guten und weniger guten Aberglauben anzubieten. Gut war, dass die Kinder etliche Freiheiten genossen, sie spielten oftmals „verkehrte Welt“, also klein ist nun groß, das Kind ist nun Erwachsener. Vor allem aus dem Mittelalter gibt es dazu zahlreiche Belege.

Bevor die Nikolaus-Verehrung aufkam war der 28. Dezember auch der Tag die Kinder zu beschenken. In Bayern schenkten die Paten der Kinder an diesem Tag Gebäck,  den Mädchen eine Lebkuchenfrau, den Jungen einen Lebkuchenreiter. Und sogar schon in vorchristlicher Zeit hatte dieser Tag eine Bedeutung für die Kinder, und, wen wunderts, Frau Holle war wieder unterwegs. Sie zieht in dieser Nacht mit allen Kindern, die im kommenden Jahr geboren werden sollten, umher. Dem Geisterzug wurde Essen hingestellt.

Die „Lebensrute“ kam auch an diesem Tag zum Einsatz: durch Rutenschläge konnte man segnend die gewünschte Fruchtbarkeit vermitteln. Man konnte durch Rutenschläge auch „frisch und gesund schlagen“.

Ansonsten galt der 28. Dezember aber als Unglückstag. Im genannten Handwörterbuch findet man: Man soll nicht viel arbeiten und kein großes Geschäft anfangen, den Stall nicht ausmisten, nicht Hochzeit machen. Dienstboten verlassen weder den alten Dienst noch treten sie einen neuen an. Der Wochentag, auf den der Unschuldige Kindertag fällt, bleibt das ganze Jahr hindurch unglücklich, manchen Orts wurde an diesem Wochentag keine Hochzeit gefeiert. Ach ja, und gegen „Fliegenstiche“ trinkt man an diesem Tag Schnaps.

Das Wetter hatte an diesem Tag, es ist kaum anders zu erwarten, ebenfalls eine Aussagekraft für das kommende Jahr. Vieles davon betraf schwangere Frauen und die in dem Jahr geborenen Kinder. Welch eine Last!

Und sollten Sie, zu guter Letzt, jemals an einem 28. Dezember einem Esel begegnen, dann stecken Sie ihm eine Leckerei ins Maul, denn er hatte ja bei der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten eine große Leistung vollbracht. Das eigentliche „Eselsfest“ wurde dann aber erst am 14. Januar gefeiert und gehörte schon zu den Narrenfesten, die sich für die Zeit nach Weihnachten  herausbildeten. Die Reformation lehnte diese als platten Lustigkeiten ab.

Ellen Salverius-Krökel

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