Musik erklärt: Fünf Minuten zu …

20. Apr 2017

ich steh 3

(esk) Kürzlich saß ich mal wieder in einem Konzert und war froh, dass ich mir das Programmheft gekauft hatte – ich konnte nachlesen, was wissenswert bei den Musikstücken ist. Aber es gibt auch andere Situationen des Musikhörens, eben ohne Programmheft, und es gibt vor allem jüngere Menschen, die gerne mal eben im Netz darüber nachlesen oder nachhören möchten. Wie soetwas gehen kann und das in 5 Minuten, mag sich dies vom großen Daniel Barenboim zeigen lassen.

Unter dem Titel „5 Minutes on …“ erklärt der Pianist, Dirigent und Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper erklärt Daniel Barenboim auf seinem eigenen YouTube-Kanal nicht nur Musik, derzeit hauptsächlich Klavier-Stücke, er redet nebenbei Politsiches, Soziales und etwas Schräges. Er spricht englisch, übersetzt als Untertitel, und spielt nebenbei höchst schwierige Klavierstücke: Beethoven, Brahms, Chopin, Liszt, Mozart. Und nein, es ist vielleicht nicht wirklich neu, was er da erzählt, aber das ist ja auch nicht sein Ziel, er will diese Musik überhaupt erstmal denen zugänglich machen, die entweder gar nichts davon wissen, aber wissen möchten, oder diese Musik hören, ohne bisher etwas über sie wußten. Und ja, fünf Minuten sind sicherlich zu wenig, aber besser als gar nicht. So erfahren wir also etwas über Entstehung, Inhalt, Gestaltung durch den Komponisten und Spielpraxis. Wozu das gut ist? Vielleicht mal in ein klassisches Konzert gehen? Mal etwas achtsamer Musik hören? Sich mal mit anderen über Musik unterhalten (können)?

Versuchen kann man es ja mal mit den 8 ersten Videos . Das Projekt gestartet hat er Mitte August 2016, er führte es so ein: Daniel Barenboim – Welcome to my chanel. Schon allein dieses Video hatte bereits über 67.000 Aufrufe , für klassische Musik sicherlich nicht selbstverständlich. Er spricht hier wie auch in allen anderen Videos sein Publikum direkt an und versucht so etwas wie eine Beziehung herzustellen. Und wem das nicht reicht: Barenboim lädt am Ende jedes Videos auch zu Kommentaren ein, die dann nicht immer nur lobend und danbbar sind inkl. Bitten um weitere Stücke, es gibt auch mehr oder weniger nette Kritik. Aber sei’s drum, die Bemerkungen sind zahlreich und beweisen die Richtigkeit dieser Initiative.Ärgerlich ist eher, dass man zu Beginn eines Videos immer erts die Werbung wegklicken muß, aber auch dafür wird man entschädigt, ehrlich!

Und wem der Name, die Person Daniel Barenboim nicht ganz unbekannt ist, weiß, dass es ihm hier weniger ums Geld verdienen gehen kann oder er sein Ego pflegen will. Er ist auch hier eher pädagogisch unterwegs, so wie auch mit vielen anderen Projekten, zu denken sei da etwa an sein West-Eastern Divan Orchester, diesem großen Projekt der Völkerverständigung – Musik als Möglichkeit der Begegnung, des gemeinsamen Musizierens von jungen Musikern im Nahen Osten.

Mehr Musik! Musik auf Klick.

Wer eher eine konventionellere Quelle bevorzugt, und zudem noch mehr resp. längere Musikstücke ohne Erklärung hören möchte, der sei verwiesen auf das gute alte Radio, wenn auch in Form des Schallarchivs des SWR im Internet (oder live im Radio jeden Montag, 13.05 Uhr auf SWR2 bzw. SWR2.de). Hier können Sie besondere Stücke, also vor allem Live-Mitschnitte, kostenlos herunterladen oder einfach nur nachhören. Und es sind nicht die immer wieder zu hörenden Orchester und Interpreten, auch junge Künstler sind dabei. Zur Verfügung gestellt sind Musikstücke seit Januar 2012, und das Ganze zeitlich unbegrenzt. Schallarchiv des SWR

Das Musikstück dieser Woche (28.11.) ist von Johann Sebastian Bach. Beim SWR heißt es dazu: „Mit jedem Stück, das er schrieb, drehte er an den Schrauben des Barock. Nur in Sachen Ordnung verhielt er sich alles andere als vorbildlich. Ganz im Gegenteil. Er kümmerte sich reichlich wenig um eine anständige Archivierung seiner Musik. Deshalb ist oft weder etwas über ihre Entstehungszeit noch ihren entsprechenden Kompositionsanlass bekannt. Was aber weitaus tragischer ist: Bach vergaß in regelmäßigen Abständen seinen Namen auf die meist lose Blattsammlung zu setzen, sodass viele seiner Werke bis heute ein urheberrechtliches Rätsel bleiben – genauso wie die Triosonate d-Moll BWV 1036.“ Mehr Erklärung zu diesem Musikstück und zur angesprochen Frage des Urheberrechts gibt es auf der Webseite dazu Musikstück der Woche vom 28.11.2016: Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach: Triosonate d-Moll BWV 1036 und Helm-Verzeichnis 569. Der Link zum Download ist unter dem Bild. Eingespielt wurde das Stück vom Kölner Kammermusikensemblensemble NeoBarock im Dezember 2012 im Schloss Waldthausen.

Die Musikstücke der letzten sieben Wochen finden Sie bei SWR2 hier Musikstück der Woche

Hier wie dort, viel Freude beim Hören!

Ellen Salverius-Krökel

 

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